Vogelschlag an Glasscheiben

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Glasscheiben – nach der Naturzerstörung durch die Landwirtschaft – die häufigste von Menschen gemachte Todesursache bei wild lebenden Vögeln in Europa sind.

 

Die meisten Vögel sehen vollkommen anders als wir Menschen. Transparente und sogar reflektierende Glasflächen nehmen einige Arten kaum wahr und können sie deshalb auch nicht als Hindernis erkennen. 

 

Wenn ein Mensch mit einer Taucherbrille auf der Nase unter die Wasseroberfläche taucht, kann er Fische und Pflanzen deutlich sehen. Sieht er von oben auf die Wasseroberfläche, sieht er nur die Spiegelung des Himmels und die Wolken. Von oben kann er nicht in das Wasser hinein sehen. 

 

Viele Vögel sehen diese Spiegelung des Himmels nicht. Sie können auch von oben die Fische im Wasser sehen und genau so sehen sie auch durch ein Fenster hindurch. Sie sehen ohne jede Spiegelung in den Raum hinein und aus diesem Grund existiert die Glasscheibe für sie nicht.

Ganz besonders problematisch sind große transparente und saubere Scheiben an Wintergärten, Balkonen oder gläsernen Wartehäuschen weil die Vögel durch sie hindurch sehen und die dahinter liegende Landschaft ungetrübt sehen können. Sie haben keine Ahnung, dass da ein tödliches Hindernis ist.

 

Da nicht alle Vögel auf die gleiche Weise sehen, sind getönte und stark spiegelnde Scheiben von modernen Glasfassaden für andere Arten ebenso schlimm.  Sie reflektieren die Umgebung und den Himmel. Viele Vögel erkennen nicht dass es sich um eine Spiegelung handelt und fliegen mit Vollgas auf den vermeintlich leeren Himmel zu. Viele dieser Glastürme sind regelrechte "Vogelfallen".

 

Was tun, wenn ein Vogel gegen die Scheibe geflogen ist?

Wenn Vögel gegen eine Scheibe fliegen, überleben sie das in den meisten Fällen nicht. Sie fallen tot zu Boden und ihre Körper werden meist schnell von anderen Tieren verschleppt und gefressen.

Hat ein Vogel überlebt, ist aber offensichtlich verletzt, mit einem gebrochenen Flügel oder er blutet, dann sollte man ihn vorsichtig in einen Pappkarton mit Luftlöchern legen und ihn umgehend zum nächsten Tierarzt bringen.

 

Äußerlich unverletzte Vögel hocken oft benommen auf dem Boden. Sie stehen unter Schock und ihr Schnabel steht meistens offen. Sie atmen schwer und man sieht ihnen an, dass es ihnen nicht gut geht. Oft haben sie eine Gehirnerschütterung und können nicht fliegen. Findet man einen solchen Vogel, benötigt er nichts weiter als Ruhe.

 

Er braucht kein Wasser und auch keine Nahrung. Schützen sie ihn also nur vor anderen Vögeln oder kleinen Raubtieren. Aber fassen sie den Vogel nur dann an, wenn es unbedingt sein muss. So ein verletztes Tier braucht keinen Trost und keine Streicheleinheiten. Warten sie einfach ab, dass der Vogel sich erholt. Nach ein paar Stunden erhebt er sich von ganz allein und fliegt plötzlich davon. Erleichtern sie ihm den Start, indem sie alle Hindernisse wie Stühle oder Tische wegräumen, so dass der Vogel freie Bahn hat und nicht erneut irgendwo gegen fliegt.

 

Legen sie ihn nur dann in einen Karton mit Luftlöchern wenn sich der Vogel an einem gefährlichen Ort befindet oder eine Katze in der Nähe herum läuft. Ein Käfig eignet sich nicht dafür einen verletzten Vogel vor Gefahren zu beschützen. Denn so bald der Vogel sich dazu in der Lage fühlt, wird er auffliegen und sich an den Gitterstäben erneut verletzen.

 

Was kann man tun um den Vogelschlag zu vermeiden?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Vogelschlag durch Glasflächen zu vermeiden. Viele Leute kleben Aufkleber von Greifvögeln oder Krähen an ihre Fenster. Allerdings sind diese Silhouetten vollkommen wirkungslos, weil die Vögel diese Aufkleber nicht als lebende Wesen erkennen. Man könnte sich also auch Bilder von Elefanten oder Blumen an die Fenster kleben. Die Vögel nehmen diese Bilder erst dann als eine Gefahr wahr, wenn sie so eng zusammen stehen, dass sie nicht mehr zwischen ihnen hindurch fliegen können. So lange sie nur ein oder zwei Silhouetten von Greifvögeln auf einer Scheibe sehen, steuern sie zielsicher neben diese Aufkleber und versuchen an dieser Stelle hindurch zu fliegen.

 

Wählen sie den Standort für ihre Nisthilfe oder ihr Futterhäuschen gut aus. Stellen sie diese lieber in den Garten, als direkt neben ihr Fenster. Besonders auf Südbalkonen sollten sie nicht ohne entsprechende Schutzvorkehrungen füttern. Sonst locken sie die Vögel an ihrem großen Fenster in den Tod, obwohl sie ihnen doch nur helfen wollten. Putzen sie diese großen Glasflächen erst im Spätherbst, wenn auch der letzte Jungvogel gelernt hat, dass es an dieser Stelle eine Glasscheibe gibt. Staub auf ihrer Glasscheibe macht sie für die Vögel besser sichtbar und verringert die Gefahr ein wenig.

 

Ein außen angebrachtes Fliegennetz ist der beste Schutz.  Diese Netze oder Gitter werden von allen Vögeln deutlich gesehen und gemieden. Man braucht auch keine Angst davor zu haben, dass sich die Vögel darin verfangen. Wer ein Fliegengitter vor seinem Fenster hat, kann gefahrlos auch auf einem Südbalkon Vögel füttern. Außenjalousien erfüllen den gleichen Zweck. Markisen, Sonnenschirme und Fensterdekorationen aller Art reduzieren die Gefahr zumindest. Von innen zugezogene Gardinen, Rollläden und Jalousien verhindern zwar nicht die Spiegelung, können den Vogelschlag aber doch ein wenig reduzieren.

 

Wenn sie gerade ein Haus bauen, sollten sie schon bei der Planung darauf achten, dass ihre Fenster nicht zu Vogelfallen werden. Achten sie darauf, dass keine gefährlichen Durchsichten entstehen, wie bei einem Wintergarten. Pflanzen sie ihre Büsche und Bäume nicht direkt vor ihrer großen Fensterfront. Die Zweige spiegeln sich sonst im Fenster. Sie laden dann die Vögel geradezu ein, gegen ihr Fenster zu fliegen weil sie sich auf die gespiegelten Zweige setzen wollen. Mit einer Bepflanzung direkt vor ihrem Fenster erhöhen sie die Kollisionsrate um das Vierfache.

 

Viele Vögel sehen Licht und Farben im ultravioletten Bereich, wie zum Beispiel Falken. Sie können sogar aus großer Höhe die Urinspur einer Maus sehen. Für uns ist diese Spur vollkommen unsichtbar. Ein Falke sieht sie klar und deutlich. Er weiß sogar ob diese Spur frisch oder schon alt ist. Aus diesem Grund bietet der Handel verschiedene Hilfsmittel, wie UV Klebefolien oder UV Malstifte an. Doch muss man sich darüber im Klaren sein, dass diese Dinge nicht von allen Vögeln gesehen werden. Wenn sie sich so einen UV Filzstift kaufen, können sie zumindest die Wartehäuschen von Bus und Bahn in ihrer Nähe damit entschärfen. Malen sie einfach ein enges Gitter auf die Innenseite des Glases. So sehen zumindest einige Vögel dieses Hindernis und sie retten ihnen mit dieser Tat das Leben.

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