© Jonathan Billinger

Blühstreifen für Wildbienen

Unseren Honigbienen geht es schlecht. Seit Jahren warnen die Forscher dass sie möglicherweise schon bald aussterben werden. Es ist nicht nur die Varroamilbe, die sie bedroht. Es sind auch genetisch veränderte Nutzpflanzen, Pestizide, Insektizide, Bakterien und Viren. Bienen sterben auch an Stress, Inzucht, Nahrungsmangel und einfach an uns Menschen. Wir sind mit unserem Verhalten die schlimmsten Feinde der Bienen. Wir haben aus wilden, starken Tieren, schwächliche und kränkliche Haustiere gezüchtet.

 

Umso wichtiger ist es gute Lebensbedingungen für die wilden Verwandten unserer Honigbienen zu schaffen. Das nützt nicht nur dem Artenschutz, sondern auch der Landwirtschaft. Denn Wildbienen bestäuben die Blüten unserer Kulturpflanzen sogar deutlich effizienter als ihre domestizierten Artgenossen. Allerdings können sich diese Arten nicht ausschließlich von unseren Monokulturen ernähren. Sie benötigen eine abwechslungsreiche Ernährung, weil sie in den Monokulturen einfach verhungern. Kraftnahrung finden sie in sogenannten Blühstreifen neben dem Acker. Diese Blühstreifen sollten zwischen 2 und 15 Meter breit sein.

 

Als Landwirt bekommen sie für die Anlage jährlich wechselnder Blühstreifen Geld vom Staat. Die Höhe der jährlichen Zuwendung beträgt 950 € je ha Blühstreifen oder Blühfläche. Hier kann man die Rechtsgrundlage nachlesen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt dass die Artenzahlen der Wildbienen und Schmetterlinge bereits im ersten Jahr leicht ansteigen. Jedoch erst wenn die Blühstreifen mehrjährig gepflegt werden, findet ein sprunghafter Anstieg der Arten statt. Es nützt also überhaupt nichts, wenn der Blühstreifen jedes Jahr wieder umgepflügt und an anderer Stelle neu angelegt wird. Bei mehrjährigen Blühstreifen sind die Populationen der einzelnen Arten deutlich größer und stabiler. In Feldversuchen konnte die Anzahl der Arten verdoppelt werden.

 

Blühstreifen am Feldrand sind nicht nur für die Wildbienen wichtig. Sie werden auch sehr schnell von anderen Wildtieren angenommen. Ein schöner Blühstreifen ist der Anfang einer natürlichen Nahrungskette. Die bunten Blumen bieten Nektar für Schmetterlinge, Bienen und vielen anderen Insekten. Sie sind wiederum die Nahrungsgrundlage für viele Vögel. Doch die Anzahl der Vögel in Europa und besonders in Deutschland geht immer weiter zurück. Vor allem Arten die in landwirtschaftlich genutzten Gebieten leben sind bedroht. Insgesamt ist die Zahl der Brutpaare in der EU zwischen 1980 und 2010 um 300 Millionen zurückgegangen. Das entspricht einem Verlust von 57 Prozent. Diese Zahlen zeigen deutlich wie wichtig so ein Streifen ist.

 

Auch wenn ein Blühstreifen nur ein sehr kleines Ökosystem ist, so dient dieser Streifen doch als Brutplatz von Feldlerche, Wachtel und Rebhuhn. Auch Greifvögel finden dort Nahrung. Im Winter bietet er vielen Wildtieren Deckung. Die Pflanzen wirken zwischen Schnee und Erde als zusätzliche Isolierschicht. Damit schützen sie die im Boden überwinternden Lebewesen vor Kälte und Frost. Blühstreifen werden von vielen Kleintieren als Straßen genutzt. Sie verbinden die unterschiedlichsten Lebensräume miteinander. Während der Ernte dient ein Blühstreifen vielen Tieren als Rückzugsgebiet. Dort hin fliehen sie vor dem Mähdrescher und von dort können sie nach der Ernte die angrenzenden Ackerflächen wieder besiedeln.

Neben den Wildbienen leben im Blühstreifen viele weitere Nützlinge. Viele von ihnen leisten einen Beitrag zur biologischen Schädlingsbekämpfung und wirken sich damit positiv auf die angrenzenden Feldfrüchte aus.

 

Für die Aussaht eignen sich besonders einheimische Pflanzen wie Koriander, Senf, Ölrettich, Rotklee, Luzerne, Wicken, Klatschmohn und Kornblume. Vor allem mehrjährige Pflanzen wie Margerite und Brombeeren eignen sich bestens. Man sollte auch darauf achten dass früh und spät blühende Arten wie Weide, Odermennig und Wiesen-Flockenblume vertreten sind.

 

Jetzt sollte jeder überlegen wo er einen Blühstreifen anlegen kann. Denn auch in der Stadt leben viele Wildbienen. Überall wo heute noch eintöniger Rasen das Auge beleidigt, könnte schon morgen die größte Vielfalt blühen. Graben sie den Rasen um, wo es möglich ist und reißen sie dort die Exoten heraus, wo sie nicht hin gehören! Pflanzen sie stattdessen dauerhafte Paradiese mit heimischen Blumen für unsere Wildbienen. Helfen sie ihnen mit zusätzlichen Nisthilfen. Nur so können sich sie Arten dauerhaft erhohlen.

 

 

Blühende Landschaften auch im Gewerbegebiet

Denken sie einmal an das Gewerbegebiet in ihrer Nähe. Wie sieht das Gelände aus? Blühen dort viele heimische Wildblumen? Oder wächst dort nur langweiliger Rasen? Sprechen sie die Inhaber der Firmen an und fragen sie, ob sie den Wildbienen helfen möchten. Erklären sie ihnen wie einfach das ist. Sollten sie ihnen antworten, dass sie dafür kein Geld und keine Zeit haben, dann bieten sie ihnen an, dass sie selbst für die Artenvielfalt im Gewerbegebiet sorgen wollen. Mit ein paar verstreuten Samen können sie Wunder bewirken.

Ebenso können sie die Samen der Wildblumen in Industriebrachen verteilen. Bereits im nächsten Jahr können sie sich daran freuen, wenn Wildbienen und andere Insekten dort ihre Kraftreserven auftanken.

 

Zwei Lerchenfenster pro Hektar

Wenn sie als Landwirt dem Niederwild helfen wollen, dann legen sie auf ihrem Getreideacker pro Hektar 2 Lerchenfenster an. Das geht ganz einfach!

Stoppen sie bei der Aussaht einfach den Saatgutfluss für ein paar Meter. Wenn ihre Sämaschine drei Meter breit ist, dann heben sie diese für sieben Meter an. Auf dieser kleinen Fläche von 3 x 7 Meter wird sich dann eine grüne Insel in ihrem goldenen Acker bilden. Legen sie diese Lerchenfenster abseits von Fahrgassen und mindestens 25 Meter abseits vom Rand des Feldes an. Mitten im Feld sind die Tiere sicher vor Beutegreifern. Weil die Fenster sind sehr klein sind ist das Unkraut ist kein Problem, auch können sie jedes Jahr woanders liegen. Mit den Fenstern helfen Sie nicht nur Lerchen sondern auch dem Feldhasen, Rebhuhn, Wachtel, Turmfalke, Goldammer, Neuntöter und vielen Insekten. Alle diese Arten lieben die grünen, warmen und trockenen Stellen im Getreideacker!

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