Wie man einen Nationalpark gründet

Wer Tiere wirklich liebt, wer der Natur verbunden ist und eine Lebensaufgabe sucht, der sollte einen Nationalpark gründen. Dabei ist es vollkommen irrelevant in welchem Land man die Natur schützt. Jede Naturlandschaft und jedes Tier ist wichtig! Egal ob in der Arktis oder am Äquator.

 

Als Beispiel habe ich Afrika gewählt. Dort ist es leichter einen Nationalpark zu gründen als bei uns in Deutschland. Es gibt dort nicht unsere behäbige Bürokratie, dafür gibt es andere Herausforderungen, wie Korruption, Vetternwirtschaft oder Wilderei und Gewalt.

Ohne die Kenntnis der Gesetze des jeweiligen Landes reicht es nicht aus, wenn sie das Internet oberflächlich nach Verordnungen und Bestimmungen für die Gründung eines Nationalparks durchsuchen. Ein solches Vorhaben ist ja auch nicht alltäglich und allein deshalb für einen juristischen Laien nicht zu bewältigen. Besser ist es, wenn sie sich in Deutschland einen kompetenten Anwalt mit Kontakten in das jeweilige Land suchen. 

 

Sie sollten nicht blauäugig an die Sache heran gehen und glauben, dass sich irgendwann schon alles von selbst regeln wird oder dass die Menschen vor Ort nur darauf warten mit einem Nationalpark beglückt zu werden.

Ein solches Projekt erfordert viel Arbeit, viel Geduld, viel Zeit und viel Geld.

 

Haben sie ein schönes und schützenswertes Gebiet mit vielen Tieren gefunden, schauen sie sich an wie viele Menschen vor Ort in dem Gebiet leben. Es ist sehr viel leichter einen Nationalpark zu gründen, wenn es in ihrem zukünftigen Schutzgebiet nur wenige Dörfer gibt. Denn sie müssen mit jedem einzelnen Menschen reden und versuchen jeden Einzelnen von ihrer Idee zu überzeugen!  Sie werden sehr schnell feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, die Leute von ihren guten Absichten zu überzeugen. Deshalb sollten sie strategisch vorgehen und Anfängerfehler vermeiden. Es ist vollkommen sinnlos es gegen den Willen der Menschen vor Ort zu versuchen.

 

Stellen sie sich ein Dorf in Afrika vor. Gehen sie als erstes immer zum Rat der Alten im Dorf und fragen sie um Erlaubnis, ob sie die Naturlandschaft betreten dürfen. Zeigen sie den Menschen ihre Kamera und erklären sie ihnen erst einmal nur, dass sie Tiere fotografieren wollen und fallen sie nicht mit der Tür ins Haus. Behalten sie die Idee des Nationalparks noch für sich. Mit der Erlaubnis und dem Wohlwollen des Rates der Alten können sie das Gebiet betreten und eine grobe Bestandsaufnahme machen. Sie müssen feststellen, welche Tiere und wie viele Tiere dort ungefähr leben. Bei dieser groben Schätzung sollten sie sich von Personen helfen lassen, die etwas davon verstehen. Suchen sie sich einen Dolmetscher und fragen sie die Einheimischen nach dem besten Jäger oder Fährtenleser im Dorf. Aber sie sollten nicht den Fehler machen, mit diesen jungen Menschen irgendwelche Absprachen zu treffen, die das gesamte Dorf betreffen. Auch wenn der Dolmetscher oder der Fährtenleser mit der Zeit zu guten Freunden werden und sich sehr einsichtig zeigen, sollten sie die gewachsenen Machtstrukturen im Dorf auf keinen Fall übergehen! Sonst schaffen sie sich sehr schnell Feinde und säen Misstrauen.

 

Vergessen sie auch nicht nach ihren Exkursionen in die Wildnis erneut zum Rat der Alten zu gehen und sich bei ihnen zu bedanken. Zeigen sie diesen wichtigen Personen ihren Respekt und die Bilder auf ihrer Speicherkarte. Fragen sie welche Sorgen und welche Nöte das Dorf hat. Interessieren sie sich für die Probleme der Menschen vor Ort und zeigen sie ihren guten Willen, in dem sie zum Beispiel bei der Errichtung einer Schule helfen oder in dem sie Bücher für diese Schule besorgen. Es ist für einen Europäer sehr einfach im Internet preiswerte Bücher zu besorgen. Wenn sie ihr Schulprojekt auf einer eigenen Internetseite einer breiten Öffentlichkeit erklären, bekommen sie die Bücher vielleicht sogar umsonst. Beachten sie bei der Verteilung der Bücher unbedingt wieder die Machtstrukturen im Dorf! Schenken sie die Bücher nicht einfach dem Lehrer! Verschenken sie die Bücher auch nicht an die Kinder! Berufen sie eine Versammlung ein und geben sie die Bücher vor Aller Augen dem Rat der Alten. So stellen sie sicher, dass ihre Bücher in die richtigen Hände gelangen und dass sich niemand daran bereichert. Wenn sie genug Zeit im Dorf verbracht haben und die Machtstrukturen wirklich kennen, sollten sie in Erfahrung bringen wer ihrem zukünftigen Nationalpark gegenüber aufgeschlossen ist und wer nicht. Beraten sie sich mit den Alten des Dorfes und erklären sie ihr Projekt. Gehen sie jedoch auf gar keinen Fall unvorbereitet in dieses Gespräch! Erstellen sie vorher eine umfangreiche Präsentation auf Papier oder auf ihrem Laptop. Zeigen sie Beispiele von anderen erfolgreichen Nationalparks und erklären sie welche Vorteile die Menschen zu erwarten haben. Erklären sie ganz genau ihre ganz persönlichen Absichten und welche Vorteile sie selbst von dem Projekt haben und um was es ihnen eigentlich geht.

Haben sie dem Rat der Alten alle Fragen beantwortet, berufen sie erneut eine Versammlung des ganzen Dorfes ein. Erklären sie dem gesamten Dorf den zukünftigen Nationalpark und beantworten sie alle Fragen. Erklären sie den Menschen den materiellen Wert ihrer eigenen Landschaft und den Wert jedes einzelnen Tieres. Führen sie Beispiele an, wie die Haie auf den Bahamas. Erklären sie den Menschen dass ein lebender Hai dort etwa 15.000 Doller wert ist, während ein toter Hai nur etwa 10 Dollar einbringt. Erklären sie ihnen ganz genau wie dieses Geld mit den Touristen auf die Bahamas kommt und durch wie viele Hände es geht. Stellen sie den Wert der Haie für die Gemeinschaft heraus und wie sehr der Einzelne der Gemeinschaft schadet, wenn er einen Hai tötet und sich die 10 Dollar in die eigene Tasche steckt. Erklären sie den Menschen im Dorf genau welchen Nutzen sie aus ihrem Nationalpark ziehen werden. Rechnen sie ihnen vor wie groß der Gewinn sein könnte. Dabei dürfen sie ruhig ins Schwärmen geraten, aber übertreiben sie nicht. Sonst werden ihnen ihre all zu rosigen Versprechungen irgendwann auf die Füße fallen.

In einigen Ländern Afrikas verkauft die Regierung an reiche Ausländer Lizenzen für den Abschuss einzelner wilder Tiere. Machen sie dem Dorf klar, dass es stattdessen Fotolizenzen an Touristen verkaufen kann. Mit diesen Fotolizenzen kann es ebenso viel Geld verdienen wie der Staat an den Jagdlizenzen. Dabei muss das Dorf noch nicht einmal besonders viel Geld verlangen, weil es ja viel mehr Hobbyfilmer als Jäger gibt. Ein weiterer Vorteil einer Fotolizenz ist, dass die Touristen auch im Dorf fotografieren oder filmen dürfen, ohne dass sie von den Einheimischen ständig belästigt werden. Niemand muss sich jetzt noch vor ihnen aufbauen und die Hand aufhalten und Geld für ein Foto verlangen. Der Obolus wurde bereits bezahlt, er kommt der Gemeinschaft zugute und die Touristen haben ihre Ruhe. Dies schafft von Anfang an ein viel besseres Klima zwischen den Menschen im Dorf und ihren Besuchern.

 

Machen sie den Leuten klar, wie viel sie zusätzlich an den Übernachtungen und an der Verpflegung der Touristen verdienen werden. Wenn es Jäger oder Wilderer im Dorf gibt, fragen sie diese ob sie nicht lieber als Führer oder Fährtenleser für die Touristen arbeiten möchten. Achten sie jedoch auch hier darauf, dass sie mit dem zu erwartenden Geldsegen für die neuen Ranger keinen Keil in die Dorfgemeinschaft treiben. Lassen sie das Dorf selbst entscheiden, wer das Geld einnimmt, wer dafür verantwortlich ist und wer die Löhne an die Ranger auszahlt. Am Besten wäre es wenn sich mehrere Frauen um die Einnahmen kümmern. Frauen denken immer an die Gemeinschaft und sind meistens nicht so eigennützig wie die Männer.

 

Machen sie den Menschen klar wie viel Arbeit noch vor ihnen liegt und wie viel Anstrengung es kosten wird. Kümmern sie sich selbst neben dem kleinen Schulprojekt um eine hoch professionelle Internetseite für den Nationalpark und um Spenden, während die Dorfgemeinschaft Unterkünfte für die Touristen baut. Diese Unterkünfte müssen nicht luxuriös sein, sie müssen nur solide gebaut werden. Häuser aus Lehm und Holz mit einem Dach aus Schilf kosten nicht viel, reichen aber vollkommen aus. Sie sollten schön anzusehen sein, denn kein Tourist möchte in einer Bruchbude übernachten. Erklären sie wie wichtig eine tolle Wohlfühlatmosphäre für die Besucher ist und wie wichtig saubere Bettwäsche und eine ordentliche Sanitärausstattung sind. Organisieren sie gemeinsam mit den Menschen des Dorfes die Führungen der Touristen durch den zukünftigen Nationalpark. Natürlich dürfen die Touristen die Natur auch allein erkunden, aber es wäre unklug die Kenntnisse der Einheimischen nicht zu nutzen. Schließlich wissen ehemalige Jäger oder Wilderer ganz genau wo sie Tiere finden und so gibt man ihnen das Gefühl eine sehr wichtige Aufgabe zu erfüllen. Außerdem wird der Gedanke des Naturschutzes so tief im Bewusstsein der neuen Ranger verankert. Bereits nach kurzer Zeit wird niemand mehr den Wunsch verspüren heimlich auf die Jagd zu gehen und Tiere zu wildern.

 

Kontaktieren sie verschiedene Firmen und bitten sie für ihr Schulprojekt um die ausrangierten PCs und Laptops. Es wird sicher nicht lange dauern, bis einige der größeren Kinder des Dorfes wahre Experten in den sozialen Netzwerken sind. Geben sie diesen Kindern die Aufgabe ihre ganz persönliche Geschichte, die Geschichte ihres Dorfes und vor allem die Geschichte des Nationalparks in den sozialen Netzwerken zu erzählen. So kann das Dorf nicht nur mit den Besuchern des Parks in Kontakt bleiben, es kann die Botschaft in die ganze Welt hinaus tragen. Dieser Kontakt mit der Welt wird teure Werbung überflüssig machen.

 

Auch wenn alles was sie bis jetzt gelesen haben, wie ein Spaziergang klingt, werden sie auf ungeahnte Widerstände stoßen. Es wird immer Menschen geben, die nicht mit dem Nationalpark einverstanden sind. Leute die etwas zu verlieren haben oder Leute die den Hals nicht voll genug bekommen. Es kann auch sein, dass sich jemand übergangen fühlt, an den sie gar nicht gedacht haben. Es ist auch möglich dass sie einen wichtigen Menschen nicht gut genug geschmiert haben. Kurz, sie werden ihren Nationalpark nicht ohne graue Haare gründen. Lassen sie sich aber von Rückschlägen nicht entmutigen. Gehen sie in die Dörfer, die außerhalb ihres Schutzgebietes liegen. Beziehen sie die Menschen dort mit ein und lassen sie sie nicht neidisch daneben stehen.

Suchen sie sich Hilfe bei anderen Menschen. Kontaktieren sie Biologen, Forscher und Wissenschaftler. Geben sie ihrem Nationalpark ein wissenschaftliches Fundament und weisen sie nach, wie wertvoll das Gebiet ist. Weisen sie nach, welche Tiere hier leben und veröffentlichen sie die Statistiken, Fotos und Videos auf der Internetseite. Berichten sie über die Fortschritte genau wie über ihre Niederlagen und die noch zu bewältigenden Herausforderungen. Gründen sie in Deutschland einen Förderverein und beantragen sie beim deutschen Finanzamt die Gemeinnützigkeit. So brauchen sie keine Steuern zahlen, wenn sie Spendeneinnahmen haben. Halten sie Vorträge in Deutschland, zeigen sie dabei ihre Bilder und organisieren sie Spendengalas für ihren zukünftigen Nationalpark. Besuchen sie deutsche Reiseveranstalter, stellen sie dort die neu gebauten Unterkünfte und ihren zukünftigen Nationalpark vor. Suchen sie sich Mitstreiter unter gleichgesinnten Enthusiasten, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen können. Suchen sie sich Mitstreiter unter den wirklich reichen Leuten, die ihnen dabei helfen die finanzielle Last zu stemmen. 

Dafür muss man auf die reichen Leute zu gehen und ihnen von den wilden Tieren erzählen. Da aber Erzählungen zu dünn sind, muss man ihnen diese Tiere auch zeigen. Man muss sie auf eine emotionale Reise mitnehmen, die sie nicht vergessen. Denn auch mit all ihrem Geld haben diese Leute doch keine Macht über die wilden Tiere. Wenn man sie ihnen nah bringt und ein Gefühl für diese Tiere in ihnen weckt, dann hat man gewonnen.

Eine weitere erfolgversprechende Möglichkeit Geld zu beschaffen, ist Crowdfunding. Nehmen sie jede Hilfe an, die sie bekommen können. Kontaktieren sie zuerst die Medien und dann die Politiker. Es gibt kaum einen Politiker der sein Gesicht nicht gern in die Kamera hält. Nutzen sie die Bekanntheit der Politiker aber hoffen sie nicht darauf, dass diese Leute ihnen mit Geld helfen. Um das Geld müssen sie sich schon selbst kümmern aber sie können die Kontakte der Politiker nutzen. Wenn zum Beispiel ein deutscher Minister als Tourist in ihrem zukünftigen Nationalpark Fotos von wilden Tieren macht und dann zu seinem afrikanischen Kollegen geht und ihm begeistert von ihrem Projekt erzählt, macht das einen ganz anderen Eindruck als wenn sie selbst bei dem afrikanischen Minister als Bittsteller vorsprechen.

 

Jetzt, nach dem sie alles ins Laufen gebracht haben, kommt der Moment der Wahrheit. Jetzt entscheidet irgendwo in der fernen Hauptstadt irgendein Bürokrat darüber ob ihr Schutzgebiet als Nationalpark anerkannt wird oder nicht. Jetzt brauchen sie eventuell einen sehr langen Atem! Doch auch wenn sie es im ersten Anlauf nicht schaffen, lassen sie sich nicht entmutigen. Politiker und Bürokraten kommen und gehen. Wenn sie nur lange genug dran bleiben, werden sie Erfolg haben. So lange das abgesteckte Land noch kein richtiger Nationalpark ist, freuen sie sich gemeinsam mit den Menschen aus ihrem Dorf an dem was sie bisher erreicht haben. Es ist ein Schutzgebiet für Tiere und es ernährt viele Menschen ohne Raubbau an der Natur. Machen sie einfach weiter bis sie ihr Ziel erreicht haben. Schützen sie die Natur und setzen sie sich selbst ein Denkmal.

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