Wie legt man einen Weiher an?

Weiher und Teiche sind wichtige Lebensräume für zahlreiche Tiere. In diesen flachen, stehenden Gewässern reicht das Sonnenlicht bis zum Grund und ermöglicht den Wasserpflanzen, sich überall auszubreiten. Am Rand dieser Feuchtgebiete siedeln sich häufig Schmetterlinge, Libellen und viele andere Insekten an. Vom Aussterben bedrohte Vögel finden an Weihern und Teichen eine Nahrungsgrundlage und im Schilf einen Brutplatz. Fische gedeihen in den flachen Gewässern hervorragend. Jungfische und Kaulquappen verstecken sich zwischen den Wasserpflanzen, während Hecht und Zander auf der Lauer liegen und sich ihrerseits vor Reiher und Fischotter in Acht nehmen müssen. Die Artenvielfalt nimmt zu, Algen, Pilze, Flechten, Blütenpflanzen, Schnecken und Spinnen breiten sich aus.

 

Auf der ganzen Welt beschleunigt sich das Artensterben. Mit der Neuanlage eines Weihers oder eines Teiches lässt sich vor der eigenen Haustür etwas dagegen tun. Der Ornithologe Prof. Peter Berthold entwickelte dafür ein einfaches Konzept. Nach dem er jahrelang geforscht, beobachtet und festgestellt hatte, dass die Artenvielfalt immer weiter zurückgeht, legte er mit Hilfe der Heinz Sielmann Stiftung einen Weiher in Billafingen an. Dem berühmten Tierfilmer zu Ehren nannte er das Gewässer Heinz Sielmann-Weiher. Peter Berthold plante innerhalb von zehn Jahren einen Biotopverbund mit 80 Einzelprojekten aufzubauen. Hier sollten sich Tiere und Pflanzen ansiedeln und sich über die Biotope wie über Trittsteine verbreiten. Inzwischen beteiligen sich mehr als 20 Gemeinden an seinem Projekt. Weitere Gemeinden wollen mitmachen und bombardieren ihn mit Anfragen. Inzwischen gibt es von Billafingen bis Stockach alle zwei bis drei Kilometer einen Weiher. Dadurch ist die Artenvielfalt in diesem Gebiet deutlich angestiegen. Am Heinz-Sielmann-Weiher in Billafingen wurde beobachtet, dass die Zahl der Vogelarten innerhalb von fünf Jahren von 115 auf 168 anstieg. Von den 77 in Mitteleuropa lebenden Libellenarten sind 33 an diesem Weiher anzutreffen. Vorher lebten hier nur zwei bis drei Arten. Dieses Beispiel zeigt einen Weg aus der Biodiversitätskrise. Jede Gemeinde in Deutschland sollte wenigstens einen Weiher anlegen. Diese Feuchtgebiete werden in unserer ausgeräumten Kulturlandschaft für eine große Artenvielfalt sorgen. Weiher lassen sich übrigens nicht nur auf dem Land bauen. Auch in Städten ist es möglich, wie das Beispiel im Parque Ecológico de Xochimilco im Süden von Mexico City zeigt.

 

Sie können sich jetzt zurücklehnen und darauf warten dass Irgendjemand, irgendwann, irgendwo einen Weiher anlegt. Sie können aber auch ihren Bürgermeister anrufen und mit ihm über den neuen Weiher sprechen. Er wird sie garantiert fragen, wer das bezahlen soll. So ein Weiher ist bestimmt nicht ohne viel Aufwand oder gar kostenlos zu bekommen, aber er muss auch nicht unbedingt hunderttausende Euro kosten.

Jede Planung eines Weihers ist eine individuelle Planung auf der Grundlage der lokalen Gegebenheiten. Vor Ort muss sorgfältig ergründet werden, wie ein Weiher am sinnvollsten angelegt werden kann. Es ist daher zu empfehlen, sich mit fachkundigen Personen zusammenzusetzen, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Für die Planungsphase sollte daher ausreichend Zeit einkalkuliert werden. Als kleine Hilfestellung für die Anlage eines eigenen Weihers habe ich der Heinz-Sielmann Stiftung ein paar grundlegende Fragen gestellt, die auch umgehend beantwortet wurden.

 

Wie legt man einen Weiher an?  

 

Ein Weiher kann angelegt werden, in dem entweder Boden ausgehoben wird und sich die Senke mit Wasser füllt oder indem vorhandenes Wasser durch den Bau von Dämmen am Abfluss gehindert wird. Es kann auch sinnvoll sein, vorhandene, aber strukturarme Weiher ökologisch umzugestalten und dadurch aufzuwerten. Grundsätzlich sollte ein durchdachtes Konzept vorliegen, dem die Behörden zugestimmt haben. 


Was muss man beachten?  

 

Die Anlage eines Weihers ist schnell genehmigungspflichtig! Je nach Gesetzgebung der Länder müssen ggf. verschiedene Behörden beteiligt werden, z. B. Naturschutzbehörde und/oder Wasserbehörde. Eventuell kann auch der Bodenschutz eine Rolle spielen. Es ist daher dringend zu empfehlen, Planungen im Vorfeld mit den Behörden zu besprechen. Aus fachlicher Sicht ist zu beachten, dass durch die Anlage eines Weihers nicht andere seltene Arten ihren Lebensraum verlieren, z. B. die Orchideen in einer Feuchtwiese. Grundsätzlich müssen auch die Bodenverhältnisse ergründet werden, damit beim Bau nicht Bodenschichten (z. B. Ton) durchbrochen werden, die für den Wasserhalt notwendig sind. Deshalb ist man immer wieder auf den Sachverstand von Ingenieurbüros  angewiesen. Kleine Inseln sind beliebte Brutplätze von Wasservögeln. Bei Weihern ab ca. 1.000 m²  sollte man daher Inseln vorsehen. 


Welche Fehler sollte man vermeiden? 

 

Vermeiden sie bereits bei der Planung ihres Weihers das Modell "rechteckiger Fischteich". Gemeint ist ein Gewässer mit steilen, schrägen, glatten Ufern, die sich hervorragend eignen ein Netz durch den Teich zu ziehen ohne dass ein Fisch entwischt. Fällt ein Tier in einen solchen Teich, kann es nicht wieder herausklettern weil die Ufer zu steil und zu glatt sind. Legen sie flache Ufer an, denn an diesem Weiher sollen alle Tiere gefahrlos trinken und baden können. Ein Weiher sollte eine Einladung an alle Tiere sein und keine Falle. Auch sollte der Weiher nicht zu schattig liegen oder zu klein sein. 


Welche Maschinen benötigt man?  

 

Das hängt von den Dimensionen des Weihers und den lokalen Gegebenheiten ab. Bei größeren Weihern wird immer ein Bagger erforderlich sein, dazu ein LKW zum Abtransport des Aushubs. Eventuell müssen temporäre Zufahrtswege erstellt werden. 


Wie groß sollte der Weiher sein? 

 

Zwar sind für manche Lebewesen schon kleine und kleinste Weiher wichtige Lebensräume, Erfahrungswerte zeigen jedoch, dass größere Weiher eine größere Artenvielfalt ermöglichen. Allerdings spielt auch das Umfeld eine wichtige Rolle: Ein Weiher sollte nicht unmittelbar an intensiv genutzte Ländereien anschließen. Besser ist es dann, den Weiher etwas kleiner ausfallen zu lassen, damit ein naturnahes Umfeld gewährleistet ist. 


Wie tief sollte der Weiher sein?  

 

Das hängt von der Größe des Weihers ab. Ufer sollten nicht zu steil sein. Größere Weiher können durchaus Tiefen von 2-3 m haben. 


Wie erreicht man die größte Artenvielfalt?  

 

Hier sind mehrere Faktoren entscheidend: Je größer und strukturreicher eine Fläche ist, umso mehr Arten werden sich einstellen. Grundsätzlich ist auch die Erreichbarkeit von Bedeutung. Wenn in der Umgebung bestimmte Arten nicht vorkommen oder der Weiher isoliert zwischen Straßen eingeklemmt ist, sinken die Chancen für die Besiedlung. 


Welche Pflege benötigt der Weiher nach seiner Fertigstellung? 

 

Das hängt von den lokalen Verhältnissen ab. Große Weiher brauchen weniger Pflege. Oft wachsen an den Ufern neu angelegter Weiher schnell Gehölze auf, die den Weiher nach wenigen Jahren zu stark beschatten können. Aufkommende Gehölze sollte man daher im Blick behalten und ggf. zurücknehmen. Man sollte Weiher gut beobachten. Welche Pflege erforderlich ist, ergibt sich aus der Entwicklung eines Weihers, die an verschiedenen Standorten mit den jeweiligen Voraussetzungen sehr individuell verlaufen wird. Wenn möglich vernetzen sie ihren Weiher mit anderen Ökosystemen. Dafür eignen sich Hecken oder Bäche.

Versuchen sie ihren Stammtisch oder die Leute in ihrem Verein für den Weiher zu begeistern. Je mehr Menschen sie davon erzählen, desto größer ist die Chance, dass jemand jemanden kennt, der jemanden kennt. Vielleicht kennt sogar jemand einen Bauunternehmer, der einen Bagger besitzt, den er am Wochenende nicht benötigt. Oder jemand anderes kennt einen Landschaftsplaner. Reden sie mit so vielen Menschen wie möglich. Reden sie auch mit den Gemeindevorstehern. Die müssen begreifen, dass sie sich das Geld für weitere Entwässerungsgräben sparen können und so der Natur schon helfen, wenn sie die Umwelt einfach in Ruhe lassen und keine weiteren Entwässerungsgräben ziehen. Machen sie ihnen klar, wie wichtig so ein Weiher für die Natur ist. Zuletzt vergessen sie nicht das Wichtigste bei der Anlage ihres Weihers! Den Spaß bei der Arbeit! So eine Aktion wird sie nicht nur der Natur, sondern auch anderen Menschen näher bringen. Ist der Weiher eines Tages fertig, besuchen sie ihn regelmäßig. Dokumentieren sie auf einem Blatt Papier oder mit der Videokamera die Arten, die sich neu angesiedelt haben. Erzählen sie allen Helfern von den Erfolgen der zurückgekehrten Natur. Sprechen sie Journalisten an und zeigen sie ihnen den Weiher, nach dem Motto: "Tue Gutes und rede darüber!" Vielleicht finden sich ja in einer anderen Gemeinde ein paar Nachahmer.

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